Gründau-Lieblos

Was soll man von einem Auftritt erwarten, der in einem Ort namens „Lieblos“ stattfindet? Und dann noch in einem nur mäßig romantisch daher kommenden Funktionsgebäude inmitten einer zugepflasterten Einkaufstempelwüste irgendwo zwischen Media-Markt, Bauhaus, und Erotic-Store? Ungefähr soviel, wie Friedrch Merz in seinen Auftritten an Empathie vermitteln kann? Und in der Tat war es der am schlechtesten besuchte Abend in der nun bald 30jährigen Geschichte des „Ersten Allgemeinen Babenhäuser Pfarrer(!)-Kabaretts“, aber er war bei weitem nicht der Schlechteste. Wie das? Nun, inside des oben beschriebenen Gebäudes befindet sich ein doch recht ansprechendes Club-Ensemble mit Auftrittsfläche und Barbetrieb. Zwei sehr nette Mitarbeiterinnen des „Floids“ (so heißt die „Location“, wie man heutzutage so sagt) bemühten sich glaubhaft, Herzlichkeit zu verbreiten und das nicht eben zahlreiche Publikum füllte den nicht eben großen Raum ungefähr so wie eine kleine Dorfkirche bei einem relativ gut besuchten Gottesdienst. Es geht eben nicht nur um absolute, sondern auch um relative Zahlen, bzw. um gar keine Zahlen, wenn die Stimmung stimmt. Und das hat sie in de Tat bei diesem Auftritt getan. Ich war nicht durch Scheinwerfer bühnenblind gemacht und konnte mein Publikum während der Show gut im Auge behalten und ich schätze, dass die Pointentrefferquote bei fast 100% gelegen hat. Na, das versöhnt dann doch mit den äußeren Umständen. Das Brot des Künstlers ist der Applaus und an diesem Abend gab es so etwas wie das gute Steinofenbrot vom Bäcker Koch, seligen Angedenkens. Es war nicht lieblos, es war echt nett und es kann echt prima sein, wenn Erwartungen sich nicht erfüllen…..